Die Kirchen in Wolgast
Die Kirche St. Petri in Wolgast
| St. Petri, Turm von SW |
Altarraum | Die Sauer-Orgel | Kirchturm vor dem Brand 1920 | |
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Die Petrikirche ist der Mittelpunkt der Stadt und der Kirchengemeinde. Vor allem in den Sommermonaten gibt es ein vielseitiges Konzertprogramm, die Wolgaster Sommermusiken. Etwa 60.000 Menschen jährlich besuchen die Kirche wegen ihrer Architektur, wegen des Totentanzes, der Sarkophage der Pommernherzöge oder um den Turm zu besteigen.
Öffnungszeiten:
Mai bis Oktober von 10 bis 17 Uhr
Sonntag: nach dem Gottesdienst bis 12 Uhr (letzter Einlass zur Turmbesteigung 1/2 Stunde vor Schließung)
In der kalten Jahreszeit können sich Besucher im Gemeindebüro am Kirchplatz 7 melden.
Die Kirchenbesichtigung ist kostenlos, die Turmbesteigung kostet 2 Euro, ermäßigt 1 Euro.
Führungen für Gruppen sind nach Anmeldung kurzfristig möglich. Ausgebildete Führer stehen bereit.
Beliebt sind abendliche Gruppenführungen mit Orgelmusik und Informationen zur Sanierung der Särge aus der Herzogszeit.
Kontakt: Gemeindebüro, Pastor Hanke
Informationen zum Bauwerk
St. Petri gehört mit zu den wichtigsten Zeugnissen der Backsteingotik
im Ostseeraum. Der Bau der dreischiffigen Basilika erfolgte um 1400 unter dem Einfluss der Marienkirche in Stralsund.
Der Chor hingegen wurde durch Kirchenbauten in Brandenburg und Stettin beeinflusst. 1713 brannte die Kirche aus und
1716-1728 baute man sie neu auf. Infolge eines Blitzschlages brannte 1920 der Turm ab. Die Laterne des Turmes wurde durch
ein Notdach ersetzt, das der Kirche bis heute ihr typisches Bild gibt.
Die Kirche bekam 1988 eine neue Sauer-Orgel.
Der Wolgaster Totentanz
Diese Folge von 24 Bildern (die Abbildung oben zeigt nur eine Gruppe von vier Bildern) ist in Norddeutschland nahezu einmalig, weil sie zu den wenigen erhaltenen monumentalen Totentänzen gehört. Sie wurden im Jahre 1700 vom Wolgaster Kapitän und Reeder Caspar Siegmund Köppe gemalt. Die Bilder wurden zuerst in der Gertrudenkapelle an den Brüstungen der Emporen aufgehängt, 1868 kamen sie nach der Renovierung von St.Gertrud nach St.Jürgen, ca. 1900 gelangten sie in die Petrikirche. Hier konnten sie alle gerettet werden, als die Kirche 1920 ausbrannte, aber ein Bild tauchte nicht wieder auf, es wurde "in falsche Hände gerettet". Der Wolgaster Totentanz lehnt sich an die Vorlagen von Hans Holbein d.J. an. 1538 erschienen seine "Bilder des Todes" in Lyon, bis 1562 folgten weitere elf (!) Auflagen.
Die Geschichte des Totentanzes
Im Volksglauben des Mittelalters galten die Toten keineswegs als tot, sie konnten mit den Lebenden kommunizieren; von Wiedergängern und "lebenden Toten" wurde erzählt. Die Kirche hat diesen Glauben zwar abgelehnt, hat ihn dann aber integriert: Wer den Toten begegnet, soll an seinen eigenen Tod denken und entsprechend leben; auf dem Friedhof waren die unbußfertigen Toten zum Tanz gezwungen. Totentänze gab es an Friedhofsmauern, Beinhäusern, in Kirchen oder anderen öffentlichen und halböffentlichen Gebäuden: Rathäuser, Stadttürme, Brücke (Luzern), Bischofspaläste, Pfarr- und Waisenhäuser. Im 20.Jahrhundert wurde ein Totentanz am Postamt in Bad Wiessee in Oberbayern angebracht, für das Mittelalter sachgemäß, für die Gegenwart sehr verblüffend. Schließlich gab es für kurze Zeit den Kölner Totentanz des Sprayers Harald Naegeli, der mit der Sprühdose Gerippe an ganz anderen Orten anbrachte: In Tiefgaragen, an Straßenkreuzungen, auf einer zugemauerten Kirchentür. Bis auf ein Bild wurden alle Darstellungen von der Stadtreinigung entfernt, so teilte dieser Totentanz das Schicksal vieler mittelalterlicher Totentänze, die inzwischen verschwunden sind.
Der Hintergrund der Totentänze
Thesen von Reiner Sörries in: Tanz der Toten - Todestanz. Der monumentale Totentanz im deutschsprachigen Raum. Hrsg. vom
Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur. Dettelbach: Röll, 1998; S.43ff:
1.These: Der Totentanz bildet ab, was auf dem Friedhof geschieht.
2.These: Von Anfang an waren Totentänze Sehenswürdigkeiten, sie dienten auch kaufmännischen Interessen.
Der Wettstreit um den schönsten Totentanz in den Hansestädten wirkte ansteckend.
3.These: Der Totentanz ist nicht nur ein spätmittelalterlich-religiöses, sondern ein neuzeitlich-
säkulares Thema, dessen Attraktivität in seinem ambivalenten Charakter zwischen Todesangst und Lebenslust besteht.
Weitergehende Informationen zu dem Thema finden Sie auch auf den Seiten der
Europäischen Totentanzvereinigung
oder unter Wikipedia.
Der Wolgaster Zyklus ist auch mit einigen Abbildungen beschrieben auf den Seiten der Insel Usedom.
Sanierung der Totentanz-Bilder
Den unübersehbaren Schäden an den Bildern (Farbabplatzungen, Holzschädlinge, Feuchtigkeitsschäden) musste durch eine fachgerechte Sanierung Einhalt geboten werden. Deshalb wurde 2008 eine Spendenaktion initiiert, die durch die Stiftung Kiba unterstützt wird (Einzelheiten dazu erhalten Sie gern im Kirchenbüro oder bei der Stiftung KiBa). Die Sanierung begann im Jahr 2010 und wird voraussichtlich Ende 2011 ihren Abschluss damit finden, dass auch für einige Bilder, die bisher an den Wänden hingen, entsprechende Halterungen vorgesehen werden. Für die endgültige Finanzierung sind noch Spenden erforderlich.
Grablege der Pommernherzöge

Seit 1415 sind Besattungen in der Petrikirche belegt. Die Gruft wurde 1560 angelegt und im Jahre 1587 erweitert. Bis zum Jahre 1635 wurden Mitglieder der herzoglichen Familie in der Gruft bestattet. 1688 wurden die Särge geplündert, später wurden sie durchsucht und umgestellt. Seit dem Jahre 2002 werden die Särge umfassend restauriert, die Kosten tragen das Landesamt für Denkmalpflege, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung, der Förderverein St. Petri Wolgast e.V. und Einzelspender. Die Restaurierung aller Sarkophage ist im Jahre 2007 abgeschlossen, dann werden auch die Inhalte bestattet. Sie werden zurzeit im archäologischen Landesmuseum Schloss Wiligrad untersucht. Seit April 2006 ist die frühere Taufkapelle, nun Greifenkapelle, Grabstätte der Herzöge Philipp I. (1515 - 1560), Ernst Ludwig (1545 - 1592) und Philipp Julius (1584 - 1625) sowie der Gattin von Philipp I., Maria von Sachsen. Philipp und Maria wurden im Jahre 1544 von Martin Luther getraut.

Südkapelle
In ihrer jetzigen Gestalt wurde die Südkapelle nach dem Brand von 1920 angelegt. Nach dem Vorbild älterer Ausmalungen
aus der Barockzeit erfolgte durch die Maler Kutschmann, Stoewer und Zillmann eine Ausmalung mit Pflanzenmotiven aus
Vorpommern. Später überdeckte man die Malerei grau.
Bis 1992 diente die Kapelle Andachten, Kindergottesdiensten, Vorträgen und Konzerten.
Wegen massiven Befalls von
Hausschwamm musste der Holzfußboden entfernt werden. Dabei fand man 1993 einen Münzschatz aus dem 18.Jahrhundert.
Schrittweise wurde die Kapelle wieder hergestellt und nutzbar gemacht. Die Ausmalung konnte im Jahre 2005 durch
einen Restaurator wieder hergestellt werden.

Der Taufengel
Er ist ein Zinkabguß, der 1843 in Berlin angefertigt wurde, das Original (aus Marmor), angefertigt von Berthel Thorwaldsen, steht im Dom von Kopenhagen. Er trägt eine Jakobsmuschel, bekannt als Trinkgefäß und Schutzzeichen von Pilgern auf dem Jakobsweg nach Santiago de Compostela. Der Engel bietet die Taufe an, das Leben in der Gemeinschaft mit Christus, unter dem Segen Gottes. Die Figur hat den Brand von 1920 überstanden, sollte aber in den 50er Jahren verschrottet werden. Der Küster stellte den Engel hinter der alten Orgel ab. Seit 1993 ist er wieder im Gebrauch und 2001 erfolgte eine Restaurrierung.
Votivschiffe
Schiffsmodelle- in Museen finden wir sie, im Eingangsbereich des Peenewerft-Bürogebäudes, in Hotels und Gaststätten, in
der Bastelstube von Max Meier, in Wohnzimmern alter Kapitäns- und Seemannsfamilien, bei Sammlern und Liebhabern maritimer
Kunstgegenstände- solchen, die sich auskennen auf hoher See gleichermaßen wie jenen, die vielleicht nur gern einmal träumen
von Weite und Meer.
Oft finden wir aber auch Schiffsmodelle in Kirchen, dort, wo sie mehr sind als Modelle, unabhängig
von Detailtreue und Größe, Schönheit und materiellem Wert, dort, wo sie nicht Schiffsmodell sondern Votivschiff sind.
Die
Bedeutung einer Votivgabe geht zurück auf ihren kultischen Ursprung in der frühgeschichtlichen Götterverehrung. Im Christentum
sind Votiv- und Weihegeschenke in Form von kostbaren Gegenständen aus Silber und Gold, auf Holz oder Gewebe gemalten Bildern
ebenso wie Schiffsmodelle bis in das 5. Jahrhundert zurückzuverfolgen. Seeleute, Fischer oder Kaufleute haben diese nach
gelungener Reise oder überstandenen Schiffskatastrophen, Zurückgebliebene zur Erinnerung an ihre auf See ums Leben gekommenen
Angehörigen als Opfergaben an die Kirchen gespendet.
Das älteste und weltbekannte Votivschif, die "Katalonische Nao", ist
550 Jahre alt. Einem Heiligen geweiht, befand es sich bis ca. 1920 in der Kapelle San Simon von Mataro an der katalonischen
Küste und ist heute eines der historisch wertvollsten Kunstgegenstände des Prins-Hendrik-Museums in Rotterdam.
An den
Küsten seefahrender Länder, teilweise bis tief ins Binnenland hinein, gehören Votivschiffe aus verschiedenen Jahrhunderten
zum besonders gehüteten Kirchenbesitz. In der Wolgaster St. Petri-Kirche gibt es von ursprünglich 4 derzeit noch 3 dieser
besonderen Schiffsmodelle:
1. Das Vollschiff "Leopold"
Es ist eine Nachbildung des ehemals zur Homeyerschen Reederei gehörigen gleichnamigen Schiffes, das 1854-1864 von Kapitän Zelk gefahren wurde und später mitsamt seinem Kapitän Fischer spurlos verschollen ist. Dieses Schiff wurde mehrmals im Modell nachgebaut. Nachdem die "Leopold! (1) zum Ende des 2. Weltkrieges verloren gegangen war, stellte 1952 das noch heute vorhandene Modell "Leopold" (2) als Schenkung der Wolgaster Kapitänsfamilie Langhans an die St. Petri Kirche den Ersatz der ursprünglichen Votivgabe dar. Das Modell ist mit 20 cm Rumpflänge zwar sehr klein, auf Grund seiner detailgetreuen und sorgfältigen Anfertigung zugleich aber auch besonders schön und wertvoll.
2. Der Schoner "Minna"
Es stellt die Imitation des gleichnamigen, 1867/68 auf der Schelleschen Werft in Wolgast erbauten und beheimateten Schiffes, dessen Eigner und Kapitän Leopold Riebe war, dar. Offensichtlich wurde dieses Schiff aber auch von einem oder mehreren anderen Kapitänen gefahren, denn im Jahre 1872 war es Hermann Haase, der von einer Fahrt nach Pillau-Stockholm nicht heimgekehrt ist. Leopold Riebe verstarb 1893 in Valparaiso. Das ebenso wie die "Leopold" (1)verloren gegangene Votivschiff wurde durch Herrn Pastor Dallmann, bekannt auch als Autor von den Romanen wie "Das Kahnweib", "Dornenzeit" und vielen anderen, nachgebaut.
3. Die Bark "Camilla von Wolgast"
Es ist das einzige Wolgaster Votivschiff, das im Original erhalten ist. Es entstand nach dem Vorbild der 1886 auf der Werft
von C. Doot in Greifswald erbauten gleichnamigen Bark.
Dieses Schiff wurde 1898 an den Rostocker Schiffshändler und Reeder
Paul Grampp, von dort 1899 weiter nach Ekkerö in Finnland verkauft. Dass es inzwischen möglicherweise komplett, zumindest aber
zeitweise seinen Heimathafen in Wolgast hatte, geht aus dem Ortszusatz im Namen hervor.
1998 wirde das mit den Jahren stark
beschädigte Votivschiff aufwändig und in liebevoller Kleinarbeit durch Frau Maria Lindow repariert. Frau Lindow ist Mitglied
des Fördervereins St. Petri Wolgast e.V.
Altar und Antependien
Hierzu werden demnächst noch Ausführungen folgen
Sanierung und Instandsetzung St.Petri Wolgast
Seit 1992 wird die Petrikirche umfassend saniert. Ein Schadensgutachten stellte 1991 fest: Der Turm ist einsturzgefährdet.
Das Fundament hat sich gesetzt, tiefe Risse durchziehen den Turm. Maueranker aus dem Jahre 1920 treiben das Mauerwerk im Turm
auseinander. Die Mauern im Obergaden sind durch zu hohen Winddruck gefährdet, das Dach ist stark beschädigt, viele Fenster
sind schadhaft, in den Seitenkapellen wird Hausschwamm festgestellt.
Der Kirchenkreis Flensburg stellte als Anschubfinanzierung eine Million DM zur Verfügung.
Weitere, umfangreiche Sanierungen erfolgten:
| 1993: | Der Turm wird von innen gesichert, die Risse im Mauerwerk werden von innen und außen geschlossen. Das einsturzgefährdete Mauerwerk im Obergaden wird abgebrochen und erneuert. Die Blitzschutzanlage wird komplett erneuert. |
| 1994/95: | Sanierung des Hauptdaches: Auf den alten Dachstuhl wird ein neuer gesetzt,das Hauptdach wird mit Kupfer gedeckt (vermutlich zum ersten Mal seit dem Bau der Kirche) |
| 1995/96: | Das südliche Seitendach wird mit neuen Tonziegeln gedeckt |
| 1997: | Eindeckung des nördlichen Seitenschiffes |
| 1998: | Eindeckung der Kapellendächer mit alten Ziegeln, Sanierung eines Fensters auf der Westseite der Kirche, Sanierung des Ziergiebels der Taufkapelle |
| 1999: | Sanierung zweier Fenster auf der Westseite |
| 2000/01: | Erneuerung der Fenster in der Nordkapelle |
| 2002: | Sanierung eines Fensters an der Nordseite, gründliche Reinigung und teilweise Sanierung des Mauerwerks an der Südkapelle |
| 2001 - 03: | Fertigstellung der Südkapelle im Innern: Fußboden mit integrierter Heizung, Wandheizung, Sanitäreinrichtungen, Beleuchtung |
| 2004/05: | Wiederherstellung der alten Ausmalung in der Südkapelle, Sanierung von 8 Fenstern |
| 2006: | Neugestaltung der Taufkapelle zur Grablege der Pommernherzöge |
Kostenumfang: bis heute 2,3 Mio €
Geldgeber: Kirchenkreis Flensburg, Landesamt für Denkmalpflege, Evangelische Kirche in
Deutschland (EKD), Deutsche Stiftung Denkmalschutz; Förderverein St.Petri Wolgast e.V., Spenden.
In den letzten Jahren nahm der Umfang der Arbeiten ab, aber der Eigenanteil der Gemeinde stieg.
Die Grenzen der Sanierung
Nicht alles, was wünschenswert wäre, ist machbar. Einige Aufgaben sind in absehbarer Zeit nicht umsetzbar:
- der Einbau einer Heizung
- die Ausmalung des Innenraumes
- die Wiedererrichtung der Turmspitze
Folgende Maßnahmen werden vorbereitet oder sind vorgesehen:
- die Vollendung der Fenstersanierung. Kosten: 130.000 Euro
- die Restaurierung des Totentanzes (die Kosten wurden noch nicht ermittelt)
- die Erneurung und Trockenlegung des Mauerwerks an der Südkapelle. Kostenschätzung: 15.000 Euro
- die Erneuerung und Trockenlegung des Mauerwerks an der Greifenkapelle Kostenschätzung: 20.000 Euro
- kleinere Maßnahmen: die Erneuerung der Elektrik und der Beleuchtung
Auch Sie können etwas für die Petrikirche tun.
Unsere Zeit schafft kaum Werte, deren Bedeutung den gegenwärtigen Nutzen übersteigt. Diese Kirche gehört allen, Jahrhunderte
lang haben Menschen sie erhalten.
Seit dem Jahre 1995 wird die Kirchengemeinde durch den Förderverein St.Petri Wolgast
unterstützt. Er hat im Laufe der Jahre viele kleine und einige große Spenden eingeworben und sich auch auf andere Weise
zum Nutzen der Petrikirche eingesetzt.
Unsere Spendenkonten:
Kirchenkasse Wolgast
Kontonummer: 371001498
Sparkasse Vorpommern
BLZ: 150 50 500
- Stichwort: Sanierung St.Petri
Förderverein St.Petri e.V.
Kontonummer: 371001870
Sparkasse Vorpommern
BLZ: 150 50 500
- Stichwort: Sanierung St.Petri
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Letzte Änderung: 28. April 2011