Die St. Petri-Kirche ist bis heute das die Altstadt von Wolgast dominierende Gebäude. Nicht nur in der Vergangenheit,
sondern auch in der Gegenwart begegnen sich bei Instandsetzungsmaßnahmen an diesem Gebäude kirchliche Interessen
(Erhaltung eines für die christliche Verkündigung wichtigen Funktionsgebäudes) und städtische Interessen
(Erhaltung eines touristisch herausragenden Anziehungspunktes innerhalb der Stadt). Es ist für den Erhalt eines im
Mittelpunkt festgelegter Interessen stehenden Gebäudes wichtig, dass sich Drittkräfte mobilisieren lassen, die von den
Groß-Interessenten nicht wahrnehmbare Anliegen vertreten und diese, so weit es in ihren Kräften steht, ins öffentliche
Bewusstsein heben. Der Förderverein St. Petri Wolgast e.V. (FV St.P.), gegr. 1995, hat sich bis heute hin als eine
solche "Dritte Kraft" bewährt, auch wenn er mit wesentlich geringeren Mitteln ausgestattet ist als seine großen Partner.
(Bei Interesse können Sie ausführliche Informationen dazu hier bekommen.)
Der FV St.P. hat sich bis heute vier Mal als Impulsgeber und Anschubfinanzierer ins Gespräch gebracht:
Ab 1995 traten in Wolgast an die Seite der vor allem durch den Wolgaster Museumsverein angebotenen Vortragsfolgen in ergänzender Weise Vortragsveranstaltungen in Verantwortung des Fördervereins St. Petri Wolgast e.V.. Bei der Auswahl der Themen und Referenten spielten und spielen bis heute vier Gesichtspunkte eine maßgebliche Rolle:
Die St. Petri-Kirche ist eine gotische Basilika, deren Inneres den Betrachter vor allem auf Grund seines unverbauten Zustandes beeindruckt. Die zahlreichen Brände, die die Stadt und St. Petri heimsuchten und diesen eindrücklichen Zustand in der Stadtkirche hervorbrachten, haben zwar zahlreiche Stücke des ursprünglichen Inventars vernichtet; einige für die Geschichte der Stadt und die Kirchengeschichte der Region wichtige Stücke sind jedoch erhalten geblieben. Zahlreiche Besucher wissen das zu würdigen. Bis zum Jahre 1993 mussten die Öffnungszeiten für die St. Petri-Kirche mehr oder weniger durch die hauptamtlichen Mitarbeiter der Kirchengemeinde und durch ehrenamtliche Helfer aus der Kirchengemeinde abgesichert werden. Von 1993 an gelang es dem GKR, die Kirche zumindest werktags durch eine einzelne Arbeitskraft offen zu halten, die allerdings nur über eine vom Arbeitsamt finanzierte Arbeitsbeschaffungsmaßnahme (ABM) angestellt werden konnte. Von 1997 an wurde das erfreulicherweise für einige Jahre mit Hilfe des FV St. P. anders. Der FV beantragte als e.V. seinerseits eine eigene ABM, um die Mitarbeiter und Ehrenamtlichen an den Wochenenden und feiertags zu entlasten. Das Arbeitsamt Stralsund genehmigte erstmalig für den Sommer 1997 eine solche Lösung. Vom Jahre 2004 an wurde das anders. Von diesem Jahr an galten neue Förderrichtlinien. Unter dem Eindruck dieser neuen Richtlinien musste die Besucherbetreuung in der St. Petri-Kirche drastisch eingeschränkt werden. Das sieben Jahre lang geübte positive Nebeneinander zweier ABM-Kräfte, die sich vom Wochenanfang bis zum Wochenende ergänzend zuarbeiteten, musste aus Kostengründen preisgegeben werden. Glücklicherweise gelang es Kirchengemeinde und Förderverein, unter Verweis auf jährlich zigtausende Besucher aus der hervorgehobenen Tourismus-Region Wolgast-Usedom und unter Abstimmung des finanziell Machbaren, die Arbeitsagentur Stralsund dafür zu gewinnen, wenigstens für die Besucherbetreuung an den Werktagen eine sog. SAM-Kraft freizugeben. Seit dem Jahr 2004 muss die professionelle Besucherbetreuung sonnabends und sonntags (wöchentlicher Besucherschwerpunkt Nr. I) erneut auf ehrenamtlicher Basis erfolgen. Damit konnten die werktags anfallenden Kirchenöffnungszeiten weiter abgesichert werden. Die bei einem erheblichen Umfang angekommenen finanziellen Eigenanteile übernahm die Kirchgemeinde. Der FV hofft, dass diese Regelung bis zum Auslaufen der derzeit genehmigten SAM so in Kraft bleiben kann und sich dann eine neue Möglichkeit ergibt.
Im Jahre 2004 gelang es, insbesondere dank des intensiven Drängens des damaligen Vorsitzenden des Fördervereins, Kirchengemeinde und Stadt zum Zwecke der Fertigstellung der Fenstersanierung an St. Petri an einen Tisch zu bekommen und notwendige Arbeiten schrittweise zu koordinieren. Im Jahre 2005 wurde mit einem ersten Schritt begonnen. Es bleibt zu hoffen, dass dank des mit den öffentlichen Förderern abgestimmten Einsatzes das große Ziel, Vollendung der Kirchenfenstersanierung an St. Petri bis zum Jahre 20015, tatsächlich erreicht werden kann.
Seit dem letzten Wolgaster Kirchenbrand im Jahre 1920 bildet eine flache Notbedachung den oberen Turmabschluss der St.-Petri-Kirche. Immer wieder äußerten vor allem alte Wolgaster in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg den Wunsch, darüber nachzudenken, ob das so bleiben könne und müsse. Den jüngsten Anlass, sich darüber Gedanken zu machen, brachte das Jahr 1990. Damals, ein Jahr nach der "Wende", besuchte der aus Stettin stammende mehrjährige Bundestagsabgeordnete und Vorsitzende des Fördervereins "Rettet den Leuchtturm Roter Sand", mit Sitz in Bremerhaven, Ulfert Kaltenstein (inzwischen verstorben) die Stadt Wolgast. Gemeinsam mit dem damaligen Bürgermeister der Stadt Wolgast, Herrn Grählert, meldete er sich beim damals amtierenden Vorsitzenden des GKR zu einem Besuch an. Im Verlaufe des Gespräches ersuchten Beide den Vors. des GKR, im GKR einen Überlegungsprozess in Gang zu setzen mit dem Ziel, die gegebene Turm-Notlösung durch eine "echte" Lösung zu ersetzen. Nähere Einzelheiten zu diesem durchaus auch kontrovers diskutierten Thema können am Ende des ausführlichen Dokuments Leistungsverzeichnis nachgelesen werden.
Irmfried Bringt, Sup. em. und Beisitzer im Vorstand des FV St. Petri
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